Chronik

Geschichte vom Waldkater

 

Eine Blockhütte im dichten Wald des Berghanges über der Stadt Rinteln. Hier trafen sich im 17. Jahrhundert die trinkfesten Studenten der Rintelner Universität zu geheimen Kommers und trugen so manchen Kater aus dem Wald nach Hause. Die einstige Blockhütte ist längst vergessen, doch der Name Waldkater ist geblieben.

 

Unsere Geschichte beginnt am 14. Februar 1878!

An diesem Tag setzten sich vierzig angesehene Rintelner Bürger, angeführt vom damaligen Bürgermeister Fischer, zusammen. Ziel der Versammlung: Die „Constituierung“, wie es seinerzeit hieß, eines Verschönerungsverein. Grünanlagen, Spazierweg und öffentliche Plätze förderte diese wohltätige Einrichtung seither.

Acht Jahre später, im Jahr 1886, taucht in den Annalen erstmalig ein „Waldkaterhäuschen“ auf. Unterhalb der Luhdener Klippen hatten Wanderer und Spaziergänger eine Stätte gefunden, an der auf einfachen Eichenbänken Erfrischungen zu sich genommen wurden. Ein kleines, auf Brettern gefügtes Holzhäuschen stand auch bereits. „Die übermütige, lebenslustige Jugend“, vornehmlich Studenten des Technikums, so meint man, haben das Büdchen errichtet. Wer den launigen Namen „Waldkater“ fand, das ist nicht überliefert. In jedem Fall aber war die Stätte runde zwanzig Jahre später nach wie vor ein beliebter Rastort. Dann, am 22. Oktober 1905, beschloß der Verschönerungsverein auf einer Vorstandssitzung: „Die Quelle beim Waldkater soll nach einem Plane von Maurermeister Döringshoff gefaßt werden.“ Kosten: 463 Mark. Damit war für die Zukunft der Waldkaterwirtschaft ein Signal gesetzt. Nur wenige Wochen später kommt es am 23. Januar 1906 zur Generalversammlung der Verschönerungsvereins. Fünf Tage darauf berichtet der Rintelner Anzeiger: „Sodann wird der Bau eines massiven Restaurants  am Waldkater auf städtischem Grundeigentum beschlossen. Die Kosten für diesen Neubau sind auf ca. 9-10.000 Mk veranschlagt.“ Für 5.000 Mark wurde eine Hypothek aufgenommen, der Restbetrag wurde in Aktien im Wert von 50 Mark aufgebracht. Das war damals eine erschreckliche Summe Geldes. Wie sehr der Baubeschluß den  Rintelnern am Herzen lag, zeigt die Tatsache, daß noch am Versammlungsabend 33 Aktien von den Anwesenden gezeichnet wurden. Ganz genau wie es heute meist ist, stellten die Fachleute bald fest, daß der Bau doch nicht ganz so günstig wie erhofft werden würde. Am 3. Februar 1906 schon veranschlagt der Vorstand des Verschönerungsvereins die Kosten auf 12.000 Mark (gekostet hat der Bau schließlich 19.000 Mark). Wenig später erhalten einheimische Betriebe den Zuschlag für den Bau. Wie aus den Akten des Vereins hervorgeht, mussten zur Grundsteinlegung noch drei Eichen gefällt werden. Dazu brauchte es in einer Zeit, die dem Schutz der Natur auch großen Wert beimaß, der Zustimmung durch die Stadt. Im Rintelner Stadtarchiv findet sich auch der Vertrag zwischen der Stadt und dem Verschönerungsverein, der das Grundstück dem Verein für eine jährliche Pacht von 15 Mark auf eine Dauer von 50 Jahren überlässt. Dann aber, am 23. Mai 1906 um fünf Uhr nachmittags, kommt es zur feierlichen Grundsteinlegung. Apotheker und Vereinsvorstand Hermann Opitz verliest eine denkwürdige Urkunde, in der es heißt: „So aus dem allgemeinen Wunsch entstanden, möge das an so hervorragend schöner Stelle gelegene Haus nicht nur eine Heimstätte sein für die Bewohner der Stadt, sich nach des Alltags Arbeit im schönen Eichenwalde zu ergehen und sich an der herrlichen Aussicht bei gutem Trunke zu erlaben, sondern es möge auch den Fremdling, der unser schönes Wesertal besucht, gastlich aufnehmen, so daß er ungern wieder von dannen scheidet und in seiner Heimat freudig unser Lob verkündet. Möge ferner alles Unheil diesem Hause fern bleiben, wie auch unserem geliebten deutschen Vaterlande! DAS WALTE GOTT.“ Die Urkunde, je eine Ausgabe der Schaumburger Zeitung, des Rintelner Anzeigers, die Wesernummer von „Niedersachsen“, einige Geldstücke und weiteres wurden in einer Blechkapsel verschlossen und mit drei feierlichen Hammerschlägen rechts neben der Eingangstür eingemauert. Am 02. Juni 1907 wird das malerisch unter hohen Eichen gelegene Ausflugsrestaurant „Waldkater“ feierlich eröffnet. Wie die Schaumburger Zeitung  in einem ausführlichen Bericht schrieb, blieb die Stimmung auch froh, „als ein erster Sprühregen alles durcheinander wirbelte.“ Die Musikkapelle unter Dirigent Platow spielte auf. Lieder über den Wald „von ca. 60-70 Männerkehlen gesungen, klangen sehr gut, voll und markig und fanden den lebhaftesten Beifall,“ notierte das Blatt. Rektor Struck hatte sogar eigens einen Waldkater-Marsch komponiert. Im August 1924 plante der Waldkaterpächter Franz Mühlenberg den Bau eines Saales. Im Schreiben an den Verschönerungsverein begründet der Waldkater-Wirt seine Absicht, „eine bessere Ausnutzung der Sommersaison, sowie ein bescheidenes Wintergeschäft möglich zu machen.“ Zu diesem Anbau kam es nicht. Aber ein neuer Pachtvertrag wurde drei Jahre später zwischen dem Verschönerungsverein und den Wirtsleuten abgeschlossen. Er schrieb unter dem Datum 26. Januar 1927 fest: „Die verpachteten Gebäude und Anlagen sollen ausschließlich dem Genuss der schönen Natur und der harmlosen Geselligkeit dienen.“ Ausdrücklich wurden „Wahl- und sonstige politische und öffentliche Versammlungen, sowie öffentliche Tanzvergnügen und Lustbarkeiten“ untersagt.

Schwere Zeiten kamen.

Im  Zweiten Weltkrieg mußten die Pächter das Haus räumen. Französische Zivilgefangene wurden im Gebäude untergebracht. Später besetzten es die Alliierten. Dann stand das Haus lange Zeit leer. Das Inventar wurde verschleppt, selbst die Lampen verschwanden. Der Neuanfang begann 1952. Da übernahme Familie Kleinschmidt zunächst als Pächter den „Waldkater“. Der Verschönerungsverein aber beschloß wenig später, die Bewirtschaftung des Hauses ganz in private Hände zu legen, der „Waldkater“ war doch immer wieder ein Zuschussbetrieb für den gemeinnützigen Verein. Lange Verhandlungen kamen im August 1958 zum Abschluß. Die Geschwister Kleinschmidt übernahmen das Ausflugsziel. Sie gaben ihm ein völlig neues Gesicht, versteckten einen modern ausgestatteten  Wirtschaftsbetrieb hinter behaglich eingerichteten Gasträumen und sorgten durch eine wohlausgewogene Speisen- und Getränkekarte für den stetig steigenden Ruf des Hauses.

 Bis das nächste und nunmehr bedeutendste  Kapitel des Hauses geschrieben wurde, vergingen weitere dreißig Jahre. Der „Waldkater“ mittlerweile altersschwach geworden, brauchte dringend eine Generalkur und ein neues, zeitgerechtes Konzept für die Bewirtschaftung.

1988/89 entsteht der neue „Waldkater“. Ein Haus der gehobenen Klasse. In ihm findet die 1. Rintelner Lokalitäten Brauerei Platz. Das hausgebraute Hartinger Meisterbräu ist in der gemütlichen Braustube zur erstklassigen Küche ein besonderer Genuss. Ein komfortabler Hotelbetrieb sowie Einrichtungen für Tagungen und Seminare runden den neuen „Waldkater“ ab.

 

Hier endet unsere Geschichte.

Wie schon 1906 wird auch das neue Haus Heimstatt für die Bewohner und die Besucher der Stadt sein, „sich nach Alltags Arbeit im schönen Eichenwalde zu ergehen und sich an der herrlichen Aussicht bei guten Trunke zu erlaben sondern es möge auch den Fremdling, der unser schönes Wesertal besucht, gastlich aufnehmen, so daß er ungern wieder von dannen scheidet und in seiner Heimat freudig unser Lob verkündet.“